Während die Klientin oder der Klient von sich und ihren Schwierigkeiten erzählt, beteiligen sich die TherapeutInnen aktiv am Gespräch. Sie fragen nach und teilen ihre Beobachtungen und Vermutungen mit. Das therapeutische Gespräch ähnelt dadurch viel mehr einer Unterhaltung im Alltag, bei der sich ein Gesprächspartner vom anderen helfen und auch beraten lässt. So bleiben die KlientInnen viel stärker am "Hier und Jetzt" orientiert und können sich nicht - wie in einer psychoanalytischen Therapie - so sehr in Erinnerungen und Phantasien fallen lassen (regredieren). Das hat den Vorteil, dass die KlientInnen nicht in die Erinnerung an frühere Erlebnisse versinken oder abschweifen, sondern konkret an der Lösung ihrer Alltagsprobleme arbeiten, wegen derer sie ja in die Therapie gekommen sind. Die ganz tief liegenden unbewussten Gründe für Probleme werden aber nur wenig berücksichtigt.
Ein wichtiger Aspekt dieser Therapieform ist, die gewonnenen Einsichten auch im Alltagsleben umzusetzen. Veränderungen, Verbesserungen und neue Erkenntnisse werden besprochen. Wenn es KlientInnen schwer fällt, einmal etwas anders zu tun als bisher gewohnt, können in der Therapiestunde solche Aktionen miteinander "durchphantasiert" werden. So fällt es vielen Menschen leichter, Strategien für künftiges Verhalten zu entwickeln und sie in den Alltag einzubinden.
In der tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie finden die Sitzungen ein bis zweimal in der Woche für 50 Minuten statt. Die Anzahl der Stunden pro Woche richtet sich danach, wie gross der Bedarf der KlientInnen ist und wie sehr ihre Probleme sie bedrängen. Häufig werden bei Einzeltherapien zu einigen Stunden auch Familienangehörige eingeladen, beispielsweise wenn es darum geht, aktuelle Familienprobleme zu bearbeiten.
Mit tiefenpsychologisch orientierter Psychotherapie werden erfolgreich Neurosen, Psychosen, psychosomatische Störungen und Persönlichkeitsstörungen behandelt. Häufig ist sie auch Teil von Gesamtbehandlungskonzepten in Kliniken, vor allem zur Behandlung von psychosomatischen und psychotischen Störungen und in der Suchttherapie.
Quelle:
Kursbuch Seele
Was tun bei psychischen Problemen ?
Beratung - Sebsthilfe - Medikamente
120 Psychotherapien auf dem Prüfstand
Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger
Kiepenheuer&Witsch, 1996, ISBN 3-462-02525-2